Die Zukunft der Büroarbeit: kreativer Austausch vor Ort statt einsam im Home-Office

Am 24.05.2016
Zusammenarbeit

Flexible Strukturen, attraktive Arbeitsplätze: Die Zukunft der Büroarbeit

Not macht erfinderisch: Im Kampf um junge Talente werden Unternehmen kreativ. Gerade in Branchen, in denen qualifizierte Fachkräfte rar gesät und teuer sind, müssen Arbeitgeber sich etwas einfallen lassen, um gute Leute anzulocken und langfristig ans Unternehmen zu binden. Eine schwierige Aufgabe, die offenbar nur wenigen Firmen gelingt: In der jährlichen Erhebung des Gallup-Instituts zum Engagement von Mitarbeitern geben gerade einmal 16 % der Befragten in Deutschland an, eine hohe Bindung an ihren Arbeitgeber zu verspüren. Ein ebenso großer Anteil gesteht hingegen, bereits innerlich gekündigt zu haben. Eine große Mehrheit von 68 % sagt, dass sie emotional unbeteiligt lediglich Dienst nach Vorschrift verrichte.

Lieber einen Computer als Chef

Die Experten von Gallup empfehlen, dass sich die emotionale Bindung zum Unternehmen vor allem durch einen kontinuierlichen Dialog zwischen Führungskräften und ihren Mitarbeitern erhöhen ließe. Allerdings ist ein gutes persönliches Verhältnis zum Chef nicht alles: So bemängelt ein Großteil der Angestellten, dass die Bewertung ihrer Arbeit nicht transparent und objektiv nachvollziehbar sei. Nicht einmal die Hälfte der Befragten gibt gegenüber dem Gallup-Institut an, dass ihre individuelle Leistung anhand von Daten und Kennzahlen gemessen oder erfasst werde. Vorgesetzten-Willkür, persönliche Emotionen, Missverständnisse und Defizite in der Kommunikation wirken allerdings wie ein Hemmschuh auf die Motivation von Mitarbeitern. In Kanada hat vor kurzem eine Studie mit über 2000 Teilnehmern ergeben, dass immerhin schon ein Viertel der Befragten lieber von einem unvoreingenommenen Computersystem als von einem menschlichen Boss gemanagt werden möchte.

Flexible Freiheiten für Millennials

Insbesondere junge Mitarbeiter vertrauen eher auf die Objektivität eines Computers als auf die Einschätzung ihrer Leistung durch einen Vorgesetzten aus Fleisch und Blut. Die Vertreter der so genannten Generation Y stellen nicht nur in Technologie-Fragen besondere Ansprüche an ihre Arbeitgeber. Sie wünschen sich mehr Flexibilität und Freiräume, gleichzeitig sind ihnen vor allem eine angenehme Arbeitsatmosphäre und eine gute Work-Life-Balance wichtig. Immer mehr Arbeitgeber gehen inzwischen auf die Wünsche ihrer Belegschaft ein und bieten Möglichkeiten, im Home-Office zu arbeiten oder zumindest flexible Arbeitszeitmodelle zu nutzen. Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass Resultate zählen, nicht wie viel Arbeitszeit im Büro abgesessen wurde.

„Flying Desks” statt feste Arbeitsplätze

Die neue Flexibilität zeigt sich zunehmend auch an den Arbeitsorten selbst. Wenn es egal ist, wann und wo die Arbeit erledigt wird, schaffen einige Arbeitgeber feste Schreibtische gleich ganz ab. Insbesondere im Vertrieb und bei Unternehmensberatern, die viel Zeit beim Kunden verbringen, ist es inzwischen eher die Regel als die Ausnahme, dass es im Büro keine fest zugeteilten Arbeitsplätze mehr gibt.

Der Gegentrend: Home-Office abschaffen

Doch wo immer es einen Trend gibt, ist auch dessen Gegenteil nicht weit. So machte Yahoo-Chefin Marissa Mayer neulich Schlagzeilen, als sie sämtliche Remote Worker wieder zurück an den Firmenschreibtisch beorderte. Dabei geht es ihr jedoch weniger darum, Kontrolle über ihre Mitarbeiter auszuüben, als vielmehr, sie zum kreativen Austausch zusammenzubringen. Die aufwendig gestalteten Unternehmenssitze von Apple, Google, Facebook und Co. zeugen ebenfalls davon, wie wichtig es einigen der innovativsten Firmen der Welt ist, die Kommunikation ihrer Mitarbeiter untereinander durch eine anregende Atmosphäre zu fördern. Dafür sorgen nicht nur eigene Köche, Yoga- oder Malkurse, sondern auch schon mal die eine oder andere Rutsche ins Bällebad. Die Ausstattung mit Kaffeevollautomaten, Wasserspendern, Obstkörben und gratis Getränken ist ohnehin Pflicht für moderne Arbeitgeber, die etwas auf sich halten.

Wie lässt sich die Mitarbeiter-Zufriedenheit im Büro und damit deren Produktivität beeinflussen?

Zahlreiche Studien untersuchen öffentlichkeitswirksam, in welchen Unternehmen die Mitarbeiterzufriedenheit besonders hoch ist. In den Befragungen wird insbesondere auf interne Motivationsfaktoren abgehoben, wie das Gehalt, den sozialen Zusammenhalt, die Anerkennung und die empfundene Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit. Damit wird viel an der Spitze der Maslowschen Bedürfnishierarchie geforscht, ganz so als ob vorausgesetzt werden könnte, dass für grundlegende, physiologische Bedürfnisse an allen Arbeitsplätzen gesorgt sei. Dabei ist es eine Kombination aus externen und internen Faktoren, die Mitarbeitermotivation beeinflussen. Zu den externen Faktoren gehören Fragen wie: Ist der Arbeitsplatz sauber? Bieten die Räumlichkeiten genügend Platz? Wie sieht es aus mit Lärm, Licht, Luft-Qualität, Temperatur? Und nicht zuletzt: Wie steht es um die Versorgung mit Getränken und gesunden Nahrungsmitteln? Offenbar ist die Produktivität der Büroarbeit nicht allein eine Frage der richtigen digitalen Geräte. Welche Faktoren sind es also, die sich positiv auf die Produktivität von Büro-Arbeitern auswirken? Zahlreiche Studien zeigen, dass zufriedene Mitarbeiter motivierter sind – und damit auch produktiver. In einer aktuellen Studie, die Service Partner ONE vor Kurzem in Großbritannien durchgeführt hat, hat sich sogar ergeben, dass sagenhafte 90% der Befragten lieber in einem gut ausgestatteten "Happy Office" arbeiten würden als einen Extratag Urlaub zu bekommen. Außerdem nehmen Mitarbeiter, die in einem gut ausgestatteten Büro arbeiten weniger Krankheitstage und sind generell produktiver. Schon kleine Annehmlichkeiten wie guter Kaffee, Obst oder auch der eine oder andere Gratis-Snack können für die Motivation Wunder wirken.

Coworking gegen die Einsamkeit

Auch die zunehmende Anzahl an Coworking-Spaces ist Ausdruck des Bedürfnisses nach Kommunikation und Vernetzung unter Gleichgesinnten. Denn wer sich in einem der gemeinschaftlich genutzten Büroräume einmietet, profitiert nicht nur von den relativ günstigen Preisen. Das Coworking-Prinzip schützt Freiberufler, denen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, vor der Vereinsamung und befeuert den kreativen Austausch mit anderen. Viele erfolgreiche Start-ups haben in Coworking-Spaces begonnen, inzwischen setzen zahlreiche Gründungsförderprogramme ganz gezielt auf gemeinsam genutzte Büroräume. Dem New Yorker Unternehmen WeWork ist es sogar innerhalb weniger Jahre gelungen, aus den Nutzern ihrer Coworking-Angebote eine weltweit vitale Community aufzubauen. Auch in Berlin gibt es inzwischen schon zwei Standorte des mit über 16 Milliarden Dollar bewerteten Unternehmens.

Zeitgemäße Arbeitgeber lassen ihren Mitarbeitern also nicht nur möglichst viele Freiheiten, um selbst zu entscheiden, wann und wo sie ihre Arbeit erledigen. Sie schaffen auch gleichzeitig in ihren Büros attraktive Orte, in denen man sich gerne zum Austausch miteinander trifft.

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