Massagen im Arbeitsalltag: Entspannen Sie sich!

Am 14.02.2017
Foto-Bernd-Nemack

Stress, wenig Bewegung oder die falschen Bewegungen am Arbeitsplatz sind häufige Ursachen für langwierige und schmerzhafte Probleme. Meistens betroffen davon sind Rücken sowie Schulter und Nacken. Was kann dagegen getan werden und wie kann man sich selbst helfen? Bernd Nemack, medizinischer Masseur und Dozent an der Ludwig Fresenius Schule, erzählt im Interview, was eine Massage am Arbeitsplatz so wichtig macht und wie man mit kleinen Übungen selbst etwas für sich und seine Gesundheit tun kann.

Hallo Bernd, stell dich doch bitte kurz vor.
Ich bin Bernd Nemack, ich biete hier bei Service Partner ONE seit April 2016 einmal in der Woche Massagen an, die hier auch sehr gut ankommen. Mir macht die Arbeit mit SPO Spaß und bei den meisten Mitarbeitern habe ich das Gefühl, es passiert etwas Positives durch die Massagen.

Das klingt ja schon mal gut! Wie genau arbeitest du und welche Techniken wendest du an?
Ich bin staatlich anerkannter Masseur und habe auch eine Zeit lang in der Physiotherapie als Masseur gearbeitet. Außerdem bin ich Shiatsu-Praktiker und Dozent an der Ludwig Fresenius Schule, an der ich Periost- und Colonmassage unterrichte. Meine Herangehensweise ist therapeutisch und medizinisch. Wenn jemand nur eine Wellnessbehandlung zum Wohlfühlen möchte, bekommt er die natürlich, aber normalerweise erfrage ich jegliche Problematiken und Risikofaktoren. Ich achte auf eine ganzheitliche Behandlung.

Meine Techniken sind dabei vielfältig. Zum einen nutze ich Akupressur. Dabei drücke, bzw. massiere ich bestimmte Triggerpunkte, wodurch die Muskulatur gedehnt und die Durchblutung gefördert wird. Das wiederum lindert Schmerzen und steigert die Mobilität.

Ich wende außerdem die Tiefengewebsmassage nach Marnitz an. Dabei bekommt man zwar nicht das klassische Massage-Feeling, aber die Technik ist sehr effektiv. Klinische Untersuchungen haben ergeben, dass die Durchblutung durch die Technik deutlich verbessert wird, was dazu führt, dass sich die Muskulatur besser entspannen kann.

Für die ganz harten Fälle nutze ich die sogenannte Periostmassage, eine Knochenhautmassage, die sich so anfühlen kann, als ob man einen Tritt vor das Schienenbein bekommt und dieser Tritt dann noch massiert wird. Der Schmerz muss nicht zwingend so intensiv sein, aber das kommt manchmal vor. Muskuläre Probleme zeigen sich reflektorisch über das Nervensystem auch in der Knochenhaut. In dem Moment, in dem ich einen Periostpunkt massiere, setze ich einen Heilungsreiz in die entgegengesetzte Richtung. Im ersten Moment ist die Behandlung schmerzhaft, aber hinterher setzt ein Schmerz überdeckender Effekt ein. Nach ein paar Behandlungen, manchmal schon nach der ersten Behandlung, kann es zu einer Verbesserung der Probleme kommen. Allerdings muss die Massage regelmäßig wiederholt werden für langfristige Wirkung.

Gibt es Fälle, in denen du von einer Massage abrätst?
Wenn jemand verschnupft vor mir steht und Fieber hat, kann ich die Person nicht behandeln. Eine Erkältung selbst muss nicht immer ein Grund sein für eine Absage, aber bei Fieber ziehe ich eine Grenze. Auch bei akuten Erscheinungen, wie Entzündungen, oder Bandscheibenvorfällen, lasse ich die Finger davon. Außerdem muss ich über Schwangerschaften informiert werden, denn da ist die Massage bestimmter Zonen ein absolutes Tabu, weil dadurch Wehen auslöst werden können.

Bezogen auf den Alltag im Büro: Wann würdest du eine medizinische Massage empfehlen?
Es klingt vielleicht gemein, aber mein Eindruck ist, dass Bürotätigkeit durch die Arbeit mit dem Computer heutzutage schon fast eine ‚eigene Diagnose‘ ist. Das Problem ist oft, dass sich Probleme im Alltag noch nicht zeigen. Nur, weil man keine Schmerzen hat, heißt das aber leider nicht, dass alles in Ordnung ist. Präventive Massagen für Muskeln und Gelenke sind ein anderer wichtiger Faktor. So gesehen kann man von einer Massage eigentlich immer profitieren im Arbeitsalltag.

Welche Vorteile bringt eine Massage denn im Arbeitsalltag?
Massagen haben nachgewiesenermaßen eine stressreduzierende Wirkung, was die Leistungsfähigkeit positiv beeinflusst. Kurz nach der Massage kann ein kleines Leistungsloch entstehen, weil man erst wieder im Alltag ankommen muss, aber ich habe spezielle Abschlusstechniken um das zu verhindern. Nach kurzer Zeit verbessert sich die Leistungsfähigkeit aber wieder.

Für den Arbeitgeber gibt es auch Vorteile. Beim Finanzamt kann er pro Mitarbeiter und Jahr 500 Euro geltend machen laut Einkommenssteuergesetz. Zusätzlich kann er dem Mitarbeiter 44€ steuerfreie Sachbezüge pro Monat gewähren. Bis zu diesem Freibetrag fallen weder für den Arbeitnehmer, noch für den Arbeitgeber Steuern oder Sozialversicherung an.

Ein betriebliches Gesundheitsmanagement, das zeigen Untersuchungen, hat für ein Unternehmen finanzielle Vorteile. Jeder investierte Euro erwirtschaftet zwischen 3€ und 4€. Die Motivation der Mitarbeiter steigt, die Fluktuation sinkt und auch der Krankenstand wird reduziert. Massage ist allerdings nur ein möglicher Bestandteil eines betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Für den Mitarbeiter bringt eine Massage aber nicht nur Entspannung und die Befreiung von Stress, sondern die Person selbst tut aktiv etwas für sich und übernimmt Verantwortung für den eigenen Körper.

Hast du Tipps für Übungen im Büro, falls mal kein Masseur zur Stelle ist?
Ich habe ein Paar die ich rausgeben kann. Das eine ist z. B. eine Halbliterflasche Wasser in die Hand nehmen und einfach vor und zurück pendeln. Das hat den Vorteil, dass dabei ein leichter Zug auf die Schulter ausgeübt wird, wodurch sie gedehnt wird.

Die zweite Möglichkeit ist sich selbst zu umarmen, wie ein Bär, so dass die Hände bis zu den Schulterblättern kommen und dann einen Rundrücken machen, damit dehnt man auch Schulter- und Rückenmuskulatur.

Sehr gut ist es, sich mit leicht gebeugten Knien an die Wand zu lehnen, zwischen Rücken und Wand einen Tennisball zu klemmen und sich dann hoch und runter zu bewegen. Damit massiert man sich die Rückenmuskulatur selbst. Wenn man Tennisbälle in eine Socke knotet, kann man sogar seine Halsmuskulatur massieren, weil die Bälle durch die Socke fixiert werden.

Um Bauch- und Rückenmuskulatur zu trainieren, empfehle ich auf jeden Fall als Sitzgerät entweder einen Hocker ohne Lehne, oder einen Gymnastikball. Immer, wenn der Oberkörper frei das Gleichgewicht halten muss, trainiert man damit die feine Muskulatur. Um die Muskulatur dabei nicht zu überlasten sollte die Zeit ohne Lehne auch dosiert werden. Richtig sitzen ist vor allem bei der Arbeit am Computer das A und O.

Ansonsten ist es wichtig sich richtig zu dehnen. Ich sehe immer wieder im Park die Jogger, die ihre Beine ganz toll weit nach hinten kriegen, aber nicht sehen, dass sie ganz viel Bewegung aus der Hüfte und dem Becken holen und das ist keine richtige Dehnung. Wenn man die Oberschenkelmuskulatur dehnt und dabei sein Bein nach hinten klappt, muss man darauf achten, das Schambein möglichst nah in Richtung Bauchnabel zu bewegen. Richtiges Dehnen ist auch am Arbeitsplatz extrem wichtig.

Falls man bereits Beschwerden hat, rate ich zum Hausarzt oder Orthopäden zu gehen, sich ein Rezept für Physiotherapie zu besorgen und nach einem Hausübungsprogramm für Krankengymnastik zu fragen. Der Physiotherapeut kann dann gezielt auf die Beschwerden eingehen, die dazu passenden Übungen zeigen und die korrekte Ausführung kontrollieren.

Was genau bietest du an? Erkläre doch bitte dein Angebot und wie man dich buchen kann.
Ich biete die Massagen direkt vor Ort im Unternehmen an. Ich biete meine Arbeit aber nicht nur bei Büros an, sondern bei den verschiedensten Betrieben, wie zum Beispiel im Handwerk oder der Industrie. Ich habe sowohl einen Massagestuhl als auch eine mobile Massageliege auf denen ich behandeln kann. Zu buchen ist das Ganze im Internet über mein Online-Buchungssystem. Direkt nach der Buchung erhält der Kunde eine Bestätigungsmail und einen Tag vor dem Termin eine Erinnerungsmail.

Ich biete den Firmen zur Entscheidungsfindung nicht nur ein persönliches Gespräch mit mir an, sondern auch einen Termin mit bis zu 6 kostenlosen Probemassagen.

Für die ersten drei Monate verabrede ich mit meinen Kunden eine Probezeit, in der ich am vereinbarten Wochentag für einen festgelegten Zeitraum vor Ort bin, unabhängig davon, wie viele Massagen gebucht wurden. Im Laufe der Wochen kann man dann abschätzen, wie das Angebot bei den Mitarbeitern angenommen wird und entscheiden, ob ich nach der Probezeit den ganzen Tag vor Ort bin, oder nur ein paar Stunden.

Vielen Dank für das Interview, Bernd!

Haben Sie Interesse am Angebot von Bernd Nemack? Besuchen Sie seine Website unter: http://bernd-nemack.de/.

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