Mit Brainfood durch das Mittagstief

Am 20.01.2017
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Ernährung am Arbeitsplatz ist ein besonders wichtiger Themenbereich in jedem Büro. Was, und vor allem wie viel sollen wir zu uns nehmen, damit das Mittagessen nicht zum Motivationskiller wird? Der Körper hat Bedürfnisse, die wir nicht außer Acht lassen können. Wir bei Service Partner ONE wollen motivierte, fröhliche Offices schaffen und haben dabei natürlich erkannt, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung für einen energiereichen Arbeitsalltag ist.

Christine Göbel und Jana Weber, zwei wissenschaftliche Mitarbeiterinnen des Instituts für Nachhaltige Ernährung (iSuN) in Münster haben eine Broschüre zum Thema Brainfood erstellt, also Essen, das unsere Gehirnleistung steigern kann. Wir konnten uns die Chance nicht entgehen lassen, mit den Expertinnen über ihre Ergebnisse zu sprechen!

Im Interview erzählt uns Christine Göbel von versteckten Gefahren und Potenzialen verschiedener Lebensmittel und wie man das Mittagstief am Arbeitsplatz gekonnt umgehen kann.

Frau Göbel, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben. Möchten Sie sich und Ihr Projekt zu Brainfood bitte kurz vorstellen?
Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Fachhochschule Münster am Fachbereich Ökotrophologie und Facility Management und arbeite ebenfalls am Institut für Nachhaltige Ernährung (iSuN). Dort ist auch der Artikel zu Brainfood im Rahmen des „NAHGAST“-Projektes entstanden. Das Nahgast-Projekt beschäftigt sich mit dem nachhaltigen Produzieren und Konsumieren in der Außer-Haus-Gastronomie. Zusammen mit unseren Kooperationspartnern, dem Studierendenwerk Münster und der AOK, haben wir, meine Kollegin Jana Weber und ich, dann eine Broschüre zum Thema Brainfood entwickelt.

Was genau ist denn Brainfood?
Kurz gefasst, wie die Broschüre es schon betitelt: Nahrung für das Gehirn. Also Nahrung, die unsere Gehirnfunktionen positiv beeinflussen, wobei man dazu gleich sagen muss, DAS Lebensmittel mit einem positiven Einfluss gibt es nicht, es ist immer eine Kombination. Genau wie in einer gesunden, ausgewogenen und nachhaltigen Ernährung ist das Motto: Abwechslung! Also von allem ein bisschen, von nichts zu viel. Dazu gehört genügend Bewegung, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und auch, regelmäßig Entspannungspausen einzubauen.

In der Broschüre sagen Sie, dass mehrere kleine Mahlzeiten am Tag optimal sind, allerdings ist es im Arbeitsalltag oft so, dass man nur eine Mittagspause zur Verfügung hat. Haben Sie Tipps für gute, sättigende Mittagsgerichte, mit denen man das Mittagstief vermeiden kann?
In der Arbeit, wie vor längeren Prüfungen im Studium, sollte man darauf achten, etwas zu sich zu nehmen, was leicht und proteinreich ist, also nicht zu kohlenhydratlastig. Ein hoher Eiweißgehalt fördert die Gehirnfunktion und man vermeidet Müdigkeit. Am besten eignen sich dazu Speisen wie Salat mit Feta, Müsli mit reichlich Obst oder auch Fisch- bzw. Hähnchengerichte mit einer Salatbeilage. Man sollte versuchen, eine kleinere Portion am Mittag zu sich zu nehmen, wenn man zwischendurch neben der Arbeit noch Zeit findet, hier und da kleine Snacks zu essen.

Welche kleinen Snacks schlagen Sie für den Arbeitsplatz vor, um energetisch durch den Tag zu kommen?
Obst, Gemüse, Getreide- und Milchprodukte sind hier das A und O. Etwas frisches Obst oder ein Joghurt bieten sich dabei am besten an. In Supermärkten bekommt man ja auch schon verarbeitete Lebensmittel, wie Smoothies und Gemüsesticks oder ähnliches. Ich würde allerdings, das Selber-Zubereiten und mitnehmen empfehlen. Je länger die Sachen im Supermarkt liegen und je kleiner sie dabei geschnitten sind, desto mehr wichtige Nährstoffe verlieren sie. Wenn es aber nicht anders geht, ist abgepacktes Gemüse dennoch besser, als sich an der nächsten Ecke einen Burger zu holen. Für die Zubereitung zu Hause muss man sich vielleicht morgens vor der Arbeit zehn Minuten in die Küche stellen oder das Essen abends für den nächsten Tag vorbereiten aber dafür geht es einem auch den ganzen Tag einfach besser. Gerade jetzt im Winter bieten sich auch Nüsse und Mandarinen an, statt die ganze Zeit stark gezuckerte und fettige Kekse zu naschen. Eigentlich gibt es aber keine Grenzen, da muss jeder wissen, was für ein Typ er ist. Manche mögen Obst lieber, wobei man da wieder etwas auf den Zucker achten muss. Andere essen lieber Nüsse, die sind auch besonders gut für die Gehirnleistung, wegen ihrer Omega-3-Fettsäuren.

In Ihrer Broschüre raten Sie, speziell saisonales Obst zu essen. Kommt es nur auf die Saison an oder gibt es bestimmte Obstsorten, die sich besonders als Brainfood eignen?
Besonders gut sind Äpfel aufgrund ihres hohen Vitamin-C-Gehalts und der großen Anzahl von Polyphenolen, was die Gehirnzellen schützt. Am besten verzehrt man Äpfel frisch und mit Schale. Allerdings ist die Saison doch sehr wichtig zu beachten. Die Ökobilanz eines Apfels aus Deutschland, den man im Frühsommer verzehrt, ist um einiges schlechter als die eines deutschen Apfels zur Saison im Herbst. Der Apfel, der im Frühsommer gegessen wird, wird über den Winter mit CO2 begast und gekühlt und hat somit keine gute Bilanz mehr. Ökologische Aspekte sollte man keinesfalls außer Acht lassen.

Was hebt Brainfood allgemein von einer gesunden Ernährung ab, gibt es da einen Kernpunkt?
Uns ist dabei ganz wichtig darzustellen, dass es nicht DAS Brainfood gibt. In jeder Lebensmittelklasse gibt es besser und schlechter geeignete Lebensmittel. Bestimmte Fette und Öle mit einem hohen Anteil am Omega-3 und ungesättigte Fettsäuren z. B. im Fisch eignen sich besser als zum Beispiel tierische Fette in Wurstwaren. Das gilt für andere Lebensmittelklassen genauso. Bei Obst und Gemüse sind vor allem grüne Pflanzen durch ihr Chlorophyll geeignet, im Gegensatz zu stark nitrathaltigem Gemüse.

Haben Sie noch einen guten Tipp für lange Arbeitstage?
Wichtig ist insgesamt, dass man auf seinen Körper hört. Für viele ergibt es auch Sinn, statt Kaffee einen Kräutertee zu trinken, da das Koffein beim Kaffee nur einen kurzen Energie-Peak bewirkt. Das gilt auch für Mate und sonstige Aufputschmittel. Diese funktionieren über einen kleinen Zeitraum, doch kurz darauf kommt erst recht das Tief, genauso wie bei Traubenzucker. Danach hat man unmittelbar einen hohen Blutzucker-Spiegel, der dann aber schnell abfällt und damit auch das Leistungsvermögen. Man sollte auch darauf achten, genügend Pausen zu machen, das tut dem Gehirn besonders gut.

Man sollte also generell auf den Zucker achten, oder hauptsächlich Traubenzucker vermeiden?
In Maßen ist Zucker gut aber vielleicht kann man hier und da auf das Stück Schokolade, das man vermeintlich zum Kaffee braucht, verzichten. Am Wichtigsten ist, dass man sich zum Essen Zeit nimmt und es aktiv genießen kann. Machen Sie also wirkliche Essenspausen, statt sich am Rechner nebenbei etwas reinzustopfen.

Brainfood hat also nicht nur mit den Nährstoffen selbst zu tun, sondern auch mit unserem Umgang mit Nahrungsmitteln. Vielen Dank für Ihre Zeit Frau Göbel!

Die Broschüre zu Brainfood, mit weiteren Informationen und Rezeptideen finden Sie auf der Webseite der FH Münster.

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